Als ich diesen Sack endlich hatte, ging es mir besser

29. SEP. 2007

Meine Stimmung wechselt im Moment zwischen leichter Euphorie und mittlerer Panik. Meine Grundsorge ist die Frage, ob das ganze technische Prozedere so hinhaut wie ich es mir vorstelle. Eigentlich ist alles ganz einfach, aber es sind viele kleine Schritte und ich hoffe, dass ich die Leute, die mir helfen werden, nicht überfordere.

Und gestern wurde mir dann mit einem Schlag bewusst, dass ich viel zu viel Gepäck dabei habe. Keine Ahnung, wie ich den Kram auf dem Motorrad unterbringen soll. Es war die ganze Zeit so viel zu tun, ich habe einfach nicht darüber nachgedacht, habe nicht darüber nachdenken wollen. Anyway – ich habe mir heute in Manhattan einen Armeesack gekauft, den werde ich hinten draufbinden. Wasserdicht ist er nicht, abschliessbar natürlich auch nicht, egal, vielleicht finde ich unterwegs noch etwas besseres.

Die Stimmung steigt ganz gewaltig, als mir Monica Ponzini, die mit mir ein Interview macht, von ihrer Step-grand-mother erzählt. Sie wohnt eine Stunde von New York entfernt in Connecticut. Eine ältere Dame, eine ehemalige Bildhauerin, etwas schwerhörig. Eine der Regeln, die ich mir für dieses Projekt gegeben habe: „Keine Künstler.“ Das Projekt ist noch gar nicht losgegangen, da werfe ich die erste Regel bereits über Bord, oder besser: ich werfe sie nicht ganz über Bord, ich modifiziere sie: Keine Künstler, die nicht mindestens doppelt so alt sind, wie ich.

Monica greift zum Telefon und ruft ihre Step-grand-mother an. Mein erster Interviewtermin: Eine 87 jährige Dame. Euphorie!

29. SEP. 2017

Das Goethe Institut in New York City hatte damals eine große Party für mich geschmissen. In einem Ehrfurcht einflößendem Gebäude gegenüber dem Metropolitan Museum of Art an der 5th Avenue. Es war mir unangenehm, so im Mittelpunkt. Und abgesehen davon hatte ich ja überhaupt noch nichts geleistet, abgesehen davon, dass ich das Motorrad, das mir BMW für den Trip geliehen hatte über eine Rampe in das Foyer des Gebäudes geschoben hatte.

Auf dem Blog schrieb ich von der Party nichts. Was sollten die Leute denken, mit denen ich auf meiner Reise sprechen würde? Dass ich ein Typ bin, für den man in New York Parties schmeisst? Ich fühlte mich wie der Typ, der sein geliehenes Motorrad bei BMW abholt und auf dem Weg dorthin seinen funkelniegelnagelneuen Motorradhelm in der öffentlichen Toilette eines Bahnhofs liegen lässt.

Ich habe kaum mehr Erinnerungen an die Party bei Goethe. Es sind viele Leute da gewesen, es gab Brezeln. Das sieht man auf den Fotos.