DAY07 – Johnny W. Nachbar

07. OKT. 2017

Ich weiß nicht, was ein Trustee ist, aber Scharnhorst kenne ich – General Scharnhorst (1755 – 1813). Nicht nur, dass die Straße, in der ich in Berlin wohne, nach ihm benannt ist, er ist sozusagen mein Nachbar. Er liegt, 100 Meter neben meiner Wohnung, auf dem Invalidenfriedhof begraben.

Ich bin gerade wieder auf mein Motorrad gestiegen, da stapft, in John-Wayne-Manier, breitbeinig ein finster dreinblickender, ziemlich muskulöser, etwa 40-jähriger Mann vom Nachbarhaus herüber. Die Hände in riesigen schwarzen Arbeitshandschuhen, die beiden Arme im 30-Grad-Winkel zur Seite, ganz so, als hätte er links und rechts je einen Colt am Gürtel.

„Ich mag das wirklich überhaupt nicht“ mault er mich an, „wenn sich jemand auf dem Grund von meinem Nachbarn zu schaffen macht, was machst Du da überhaupt, fotografieren? Ich mag es gar nicht, wenn hier jemand einfach herumfotografiert.“

Ich steige also wieder vom Motorrad ab und erkläre die Sache mit dem General aus Berlin.

John Wayne ist völlig unbeeindruckt. „Wir sind hier gute Nachbarn. Wenn mein Nachbar nicht da ist, habe ich ein Auge auf sein Eigentum, und wenn ich nicht da bin hat er ein Auge auf meins.“ Ob es denn hier viel Kriminalität gibt, möchte ich wissen. „Es gibt eine Menge schlechter Leute. Die kommen aus Cincinatti und Indiana hier her.“ John Wayne wohnt schon seit 35 Jahren in der Gegend. Seit 18 Jahren in diesem Haus. „Ist schon mal etwas vorgekommen?“ frage ich, „Nein,“ sagt er, „aber es gibt hier jede Menge Kriminalität – Schaust du denn kein Fern?“