Jean Woodham

30. SEP. 2007

30. SEP. 2017

„Ich bin Bildhauerin, Mutter, zum Teil Indianer und verwandt mit Jesse James, dem Banditen. Meine Leute sind 1620 ins Land gekommen und sie mussten in all diesen Kriegen kämpfen, der Revolution, dem Bürgerkrieg, dem ersten Weltkrieg, dem zweiten Weltkrieg. Und gleich am Anfang gegen die Indianer.” Mit diesen Sätzen begann mein erstes Interview auf dieser Reise. Jean Woodham erzähle mir vieles aus ihrem Leben. Von ihrem ersten Mann, der Alkoholiker war und sich vor einigen Jahren erschossen hat. Ihre Tochter hatte ihn gefunden. Jetzt macht sie sich Sorgen, weil ihre Tochter auch eine Waffe zu Hause hat. So viele Leute haben Waffen. Es geschehen so viele Unglücke mit Waffen.

Von Waffen würde ich noch häufig hören, von Gewalt. Das kannte ich so aus Europa nicht. In meiner Familie sprach man nie von Gewalt – Gewalt kannte ich nur aus dem Fernsehen.

Ich hatte mir vorgenommen, Amerikaner jenseits der Klischees zu portraitieren. Und dieses erste Interview war für meinen Geschmack zu nahe am Klischee. Das würde mir zu meiner Verwirrung noch oft so gehen. Erst am Ende meiner Reise – als ich einen Cowboy traf, der mir erzählte, dass er immer ein Cowboy hatte sein wollen und mir erklärte, warum er niemals ein Cowboy sein würde – mehr als einen Monat später wurde mir bewußt: die allermeisten Amerikaner entsprechen dem Klischee. Doch nie so, wie man es sich vorstellt.