Wie ein Schriftsteller

Es ist ein Traum. Ich fahre mit dem Motorrad durch die warme, weiche Luft Amerikas. Abends bin ich im Motel, schreibe, schneide Video, mein Computer, meine Foto- und meine Videokamera. Ich habe alles dabei, was ich brauche. Es ist anstrengend – ja. Ich stehe früh auf. Arbeite morgens ein, zwei Stunden am Computer. Packe meinen Kram zusammen und fahre los. Ich fahre den ganzen Tag. Unterbrochen von ein, manchmal zwei Tankstopps, einmal halte ich an um zu essen und einmal am Tag suche ich mir jemandem mit dem ich ein Interview machen kann. Das ist einfach. Ich frage Leute, die vor ihrem Haus sitzen. Wenn mir tagsüber noch nicht schon einer untergekommen ist, halte ich ab vier Uhr nachmittags gezielt Ausschau. Vier Uhr ist eine gute Zeit. Das Licht ist gut, viele Leute sind von der Arbeit zu Hause und sitzen im Garten. Ich bin noch kein einziges Mal abgewiesen worden.

Heute habe ich direkt am Vormittag jemanden gefunden. Ein Mann, der in seiner Garage einen Flohmarkt veranstaltete. Garage-Sale. Das ist hier sehr üblich. Um vier Uhr habe ich mir etwas zu Essen gesucht. In dem Laden, in dem ich gelandet bin, kam ich mit einem Jungen ins Gespräch, der dort arbeitet. Mein Motorrad, mein Akzent, ich bin für die Leute interessant. Der Junge war so großartig und hat so viel von seinem Leben erzählt, ich habe ein Foto gemacht, und mir Notizen aufgeschrieben. Mein Interview des Tages hatte ich ja schon auf Band. Das Foto ist toll geworden. Ich sitze im Motel und ich fühle mich wie ein Schriftsteller. Das Motorrad steht vor der Tür, die Haut brennt von der Sonne. Seit ich losgefahren bin, habe ich keinen Alkohol getrunken, ich esse wenig. Ich bin ein wenig müde, aber voller Energie.